Menschenfänger aus Stahldraht

Agnes Lammerts „down down down“ in der Görlitzer Kunsthalle 

Die Kunsthalle Görlitz hat ihr Elendsquartier in der Jakobstraße gegen Räume am Wilhelmsplatz getauscht und zeigt dort dank zahlreicher Sponsoren zunehmend sehenswerte Ausstellungen. Aktuell: Agnes Lammert mit „down down down“.

Das Hauptwerk, „Sog“, ist ein großer Körper aus Stahldraht: ineinander geschobene Ringe, eine Reuse. Von außen filigran und einladend, fast schön. Wer hineinsieht, wird hineingezogen, denn alle Linien laufen in eine Tiefe ohne Fluchtpunkt, dunkelbraune miteinander verdrillte Stahldrähte kurven wie Strömungslinien um einen Abfluss. Das ist der Sog. Er ist eine Falle, und sie ist durchsichtig: Ein Menschenfänger.

Dazu bedrückende organische, wenig anziehende namenlos bleibende Arbeiten, fast keine Farbe außer Schwarz und dunklem Braun. Trist.

Leider ist die Selbstbeschreibung der Künstlerin auf ihrer Homepage furchtbarer Kunstsprech; der Wandtext der Kunsthalle sagt in wenigen Sätzen mehr: Die Arbeit lockt, saugt, verengt sich.

Parallel läuft im Hamburger Bahnhof in Berlin bis 28. Februar 2027 die Gruppenschau „[ materialistin ]“. Lammert zeigt dort „Murmuration“, ein Gebilde aus Kokosfasergewebe und Stahldraht unter der Decke: Schwarm statt Schlund.

Details zur Ausstellung und zum Begleitprogramm der Görlitzer Schau: kunsthalle-goerlitz.de