Cassandras des Untergangs: Göpel & Herrmann

Neulich fiel mir in einer dieser öffentlichen Bücherkisten das Werk von Maja Göpel in die Hände: „Wir können auch anders“ in der Sonderausgabe für die Bundeszentrale für Politische Bildung, also quasi regierungsamtlich gefördert.

Das hat mich sofort an die zweite Schwester im Geiste erinnert: Ulrike Herrmann und ihr „Das Ende des Kapitalismus“. Zwei selbsternannte Prophetinnen des Jüngsten Gerichts wandern durchs Land und rufen: „Das Ende naht! Der Kapitalismus frisst die Erde! Wir müssen schrumpfen, rationieren, umprogrammieren – oder wir sind alle verloren!“

Die eine (Maja Göpel) verpackt es in motivierendes Transformations-Gequatsche von „neuem Betriebssystem“ und „Mission Wertvoll“. Die andere (Ulrike Herrmann) ist direkter: „Grünes Schrumpfen oder Untergang – der Kapitalismus muss enden, her mit der Überlebenswirtschaft nach Kriegsmodell!“

Beide sind 2026 immer noch voll dabei. Göpel tourt mit Keynotes zur „Demokratie-Handlungsfähigkeit“ und ihrem neuen Werte-Kompass, Herrmann wird weiter als die scharfe Analytikerin zitiert, die „grünes Wachstum“ als Illusion enttarnt hat. Cassandras des 21. Jahrhunderts, nur dass ihre Prophezeiungen nicht nur falsch, sondern gefährlich sind. Aus strikt anarchokapitalistischer Sicht – der von Murray N. Rothbard und Hans-Hermann Hoppe – ist das nichts als intellektueller Betrug: eine Mischung aus ökonomischer Ignoranz, kollektivistischer Hybris und dem uralten Traum, andere per Staatsgewalt zu „retten“.

1. Die falsche Diagnose: Wachstum als Sünde, Kapitalismus als Krebs

Göpel und Herrmann teilen die Kernlüge: Unser „Betriebssystem“ (Göpel) bzw. der Wachstumszwang des Kapitalismus (Herrmann) zerstöre den Planeten. Planetare Grenzen überschritten, Kipp-Punkte, Overshoot – das übliche Panik-Paket. Lösung? Suffizienz, Regeneration, „grünes Schrumpfen“.

Aber: Kapitalismus ist nicht der Feind der Umwelt, er ist ihr größter Retter. Wo Privateigentum herrscht, wird Ressourcenverschwendung bestraft. Die Tragödie der Allmende (die Göpel & Co. so gerne ignorieren) entsteht genau dort, wo der Staat Eigentumsrechte verwässert oder Ressourcen verstaatlicht. Hoppe geht weiter: In einer privaten Rechtsgesellschaft (Covenant Communities) würden Umweltschäden als direkter Eingriff in fremdes Eigentum geahndet – ohne bürokratische Lenkung, sondern durch dezentrale Gerichte und Versicherungen.

Ihre „Wachstumszwang“-These ist praxeologischer Unsinn (Rothbard). Wachstum ist kein Zwang, sondern das Ergebnis freiwilliger Tauschakte. Herrmann behauptet, erneuerbare Energien reichten nicht für „grünes Wachstum“ – deshalb wäre das Schrumpfen unvermeidbar. Das ist die typische Zentralplaner-Illusion: Als ob irgendjemand von Berlin oder Brüssel aus berechnen könnte, wie viel Energie „genug“ ist. Rothbard hat das in Man, Economy, and State zerlegt: Ohne Marktpreise gibt es keine rationale Allokation. Die beiden ignorieren einfach, dass echte Knappheit Preise schafft – und Preise Innovationen anreizen. Fracking, Kernfusion, Batterie-Technologien? Alles Markt, nicht Staatsplan.

Stattdessen malen sie das Bild vom „guten Leben mit weniger“. Für wen? Für die, die sich das leisten können. Der Rest soll mit dem Fahrrad zur Arbeit radeln, während die Eliten in ihren Mission-Wertvoll-Podcasts über „Werte“ philosophieren.

2. Die „Lösungen“: Reiner Zwang, verpackt als „Wir“

Hier wird’s richtig widerlich. Göpel will das „Betriebssystem“ umprogrammieren – Regeln ändern, Systemzweck von Gewinn auf Regeneration drehen (Donella Meadows lässt grüßen). Herrmann konkret: Überlebenswirtschaft nach Vorbild der britischen Kriegswirtschaft 1939–45. Rationierung, Priorisierung, Schrumpfen der Wirtschaft auf „grün“. Beide sprechen vom kollektiven „Wir“ – als ob das freiwillig wäre.

Hoppe würde sie als das entlarven, was sie sind: Sozialisten mit grünem Anstrich. In Democracy: The God That Failed zeigt er, warum Demokratie schlimmer ist als Monarchie: Sie sozialisiert die Kosten von Fehlentscheidungen. Göpels „Demokratie-Handlungsfähigkeit“ und Herrmanns „geordnetes Schrumpfen ohne Demokratie zu zerstören“ sind Heuchelei. Jede Rationierung, jede Regeländerung, jede „Transformation“ ist Zwang – Steuern, Verbote, Subventionen, Enteignung durch Inflation oder Regulierung. Das ist nicht „partnerschaftlich“, das ist Aggression gegen Person und Eigentum.

Rothbard in The Ethics of Liberty: Es gibt nur ein absolutes Recht – das auf Privateigentum, abgeleitet aus Selbst-Eigentum. Jede staatliche Lenkung ist Diebstahl. Die „Überlebenswirtschaft“ der Herrmann ist nichts anderes als Kriegskommunismus light: Der Staat entscheidet, wer was produzieren darf. – Göpels „Mission Wertvoll“ ist nur die weichgespülte Variante: „Unerwartete Allianzen“ und „wertebasierte Transformation“ – solange der Wert „Regeneration“ per Gesetz durchgepeitscht wird.

Ergebnis? Armut für alle außer den Planern. Historisch hat jede Form von Degrowth oder Zentralplanung (UdSSR, Venezuela, Kuba) zu Elend, Schwarzmärkten und Unterdrückung geführt. Die beiden lernen nichts daraus.

3. Die intellektuelle Bankrotterklärung: Kollektivismus statt spontaner Ordnung

Rothbard und Hoppe vertreten praxeologische Wahrheit: Der Mensch handelt zielgerichtet. Märkte sind spontane Ordnung (Hayek, den Rothbard schätzte). Göpel und Herrmann glauben, sie wüssten besser, was „das System“ braucht. Das ist die gleiche Hybris wie bei den Marxisten – nur mit Klimaschutz statt Klassenkampf.

Hoppes Argumentationsethik macht es final: Wer für Zwang argumentiert (auch „zum Wohl des Planeten“), widerspricht sich selbst. Denn Argumentation setzt friedliche, freiwillige Interaktion voraus. Ihre Bücher und Auftritte 2025/2026 sind also performativer Selbstwiderspruch.

4. Die Cassandras sind die wahren Freiheitsfeinde

Maja Göpel und Ulrike Herrmann sind keine Retterinnen. Sie sind intellektuelle Brandstifterinnen, die unter dem Deckmantel von „Nachhaltigkeit“ und „Transformation“ den letzten Rest von Freiheit und Wohlstand abfackeln wollen. Ihre Prophezeiungen vom Untergang sind selbst erfüllend: Wenn wir ihnen folgen, bekommen wir genau das – verarmte, bevormundete Gesellschaften unter der Knute des „guten Zwecks“.

Die echte Lösung liegt nicht im „Wir können auch anders“, sondern im „Lasst uns endlich in Ruhe“. Volle Privatisierung aller Ressourcen. Abschaffung des Staates. Private Law Society, in der Eigentümer selbst entscheiden, wie sie ihre Umwelt schützen – oder nicht. Innovation, nicht Rationierung. Reichtum für alle, die ihn erarbeiten, nicht für die Planer.

Rothbard und Hoppe haben es vor Jahrzehnten gesagt: Der Staat ist das Problem, nicht die Lösung. Wer Göpel und Herrmann applaudiert, applaudiert seiner eigenen Versklavung.

Lasst sie schreien. Wir bauen die freie Welt – eine Covenant-Community nach der anderen.