„Konkrete Sicht“: Erfolgreiche Vernissage in der KiA Contemporary Görlitz
Am Freitag, dem 20. März 2026, feierte die KiA Contemporary in der Löbauer Straße 35 in Görlitz eine gut besuchte Vernissage. Die Sonderausstellung „Konkrete Sicht: Formen, Linien, Strukturen“ markiert einen weiteren Höhepunkt in der noch jungen Geschichte der Galerie und unterstreicht ihren Status als wichtiger neuer Kulturort in der Stadt.
Die KiA Contemporary (Kunst im internationalen Austausch) wurde im Dezember 2024 von der Kulturmanagerin Ling Luo gegründet. Über ihre Agentur China Conception – Ling Luo Art Service betreibt sie die Galerie privat und mit klarer Mission: internationale Gegenwartskunst zu präsentieren und vor allem den kulturellen Dialog zwischen China und Deutschland zu fördern. Nach erfolgreichen Ausstellungen in Berlin hat Ling Luo die Galerie bewusst in Görlitz angesiedelt – als ersten deutsch-chinesischen Kunststandort der Stadt. Die Räume in der Löbauer Straße sind freitags und samstags von 14 bis 18 Uhr (oder nach Vereinbarung) geöffnet und dienen bewusst als offener Begegnungsort: Kunst als Brücke zwischen Kulturen, ohne kommerziellen Druck oder starre Vorgaben.
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Konkrete Kunst
Die aktuelle Ausstellung widmet sich der Konkreten Kunst – einer radikalen Richtung, die nichts mit Abstraktion von der Natur oder der Realität zu tun hat. Hier entsteht alles „konkret“: ausschließlich aus geometrischen Formen, klaren Linien, präzisen Strukturen und reinen Farben, rein mathematisch und rational konstruiert. Keine Gefühle, keine Symbole, keine Geschichten. Der Künstler denkt die Komposition zuerst im Kopf wie eine Formel und setzt sie dann technisch perfekt um. Genau das zeigt die Schau mit Werken von sieben international renommierten Vertretern: Reinhard Roy, Barna Benedek, Heiner Thiel, Istvan Haasz, Ingrid Hornef, Beba Ilic und Andras Wolsky.
Der Begriff „Konkrete Kunst“ wurde 1924 vom Niederländer Theo van Doesburg geprägt; 1930 folgte in Paris das Manifest der Gruppe „Art concret“. Ab den 1940er Jahren blühte die Bewegung besonders in der Schweiz auf (Max Bill, Richard Paul Lohse u. a.) und beeinflusste später Minimal Art, Op-Art und digitale Kunst. Typisch sind serielle Logik, technische Perfektion und die Einladung zum reinen, vorurteilsfreien Schauen. Die Künstler der Görlitzer Ausstellung sprechen genau diese klare, zeitlose Sprache: rhythmische Strukturen und farbige Felder, die den Betrachter nicht belehren, sondern einfach da sind.
Reinhard Roy
Besonders beeindruckt haben mich die drei Arbeiten von Reinhard Roy. Es sind seine typischen Signaturarbeiten am Raster, die die Fläche durch subtile Verräumlichung zum Leben erwecken – eine meisterhafte Balance aus Strenge und Tiefe.
Sie erinnerten mich spontan an die grafische Darstellung von Bitcoin-Blöcken: dieselbe präzise, modulare Logik, nur dass diese im Mempool rein flächig bleiben, während Roys Werke die Ebene elegant in den Raum öffnen.

Die Galerie
Wer die Vernissage besuchte, spürte sofort: So muss ein Ort der Kunst aussehen. Die Räume wirken neu und frisch hergerichtet, hell und einladend, ohne jede Gängelung des Besuchers. Keine Verbotsschilder, keine Absperrungen, keine belehrenden Hinweise – nur pure Gastfreundschaft. Die Galeristin Ling Luo empfing die Gäste persönlich, offen und herzlich, sodass man sich sofort willkommen fühlte. Die Galerie ist privat betrieben und strahlt genau diese persönliche Note aus: ein Ort zum Verweilen, Diskutieren und Genießen, nicht zum bloßen Durchlaufen.
In Görlitz ist die Galeriedichte traditionell überschaubar. Umso erfreulicher ist dieser Zugewinn. Die große Besucherzahl bei der Vernissage zeigte deutlich: Diese Galerie war offenbar vielfach ersehnt. Man spürte die Freude über einen weiteren kulturellen Impuls in einer Stadt, die sich ohnehin stark für Kunst und internationale Begegnung engagiert.
Die KiA Contemporary bereichert Görlitz nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ: mit anspruchsvoller, internationaler Kunst, einem klaren Fokus auf Dialog und einer Atmosphäre, die einlädt statt abzuschrecken. Wer die Ausstellung noch nicht gesehen hat, sollte die Gelegenheit nutzen – freitags oder samstags in der Löbauer Straße 35. Hier zeigt sich, wie zeitgenössische Kunst lebendig, zugänglich und verbindend sein kann. Ein echter Gewinn für die Kulturszene der Stadt.

