Schnee in Görlitz: Schön fürs Auge, mühsam für die Füße

Ja, zugegeben: Ein Görlitz unter einer dicken Schneedecke ist ein Postkartenmotiv. Die historischen Fassaden, die Altstadtbauten, alles wirkt wie mit Puderzucker bestreut – einfach märchenhaft. Dieser Winter hat uns das öfter beschert, und es ist jedes Mal eine Freude, das anzusehen.

Aber irgendwann muss man auch raus: Einkaufen, zur Apotheke, zum Arzt, zur Arbeit. Und genau dann wird aus der Winterromantik ein Hindernisparcours – besonders für Fußgänger.

Das Dauerproblem der Gehwege

Die Gehwege in Görlitz sind auch ohne Schnee kein Vergnügen. In den letzten Jahren wurde die Pflege zugunsten der Autostraßen deutlich vernachlässigt. Man balanciert ständig um:

  • Hundehaufen  
  • überquellende oder falsch abgestellte Mülltonnen  
  • Sperrmülllager auf dem Bürgersteig  
  • Pfosten, Schilder und andere Hindernisse

Im Winter kommt die volle Katastrophe dazu.

Winterpflege: Ein Lotteriespiel

Die Verantwortung für die Räum- und Streupflicht liegt bei den Eigentümern oder Verwaltern der angrenzenden Häuser. Das Ergebnis ist ein wildes Patchwork:

  • Hier ist der Gehweg sauber geschoben und gestreut.  
  • Dort nur notdürftig Streugut.  
  • Beim Nachbarn Asche oder Holzspäne.  
  • Und vor vielen Häusern – vor allem den offenbar „herrenlosen“ oder schlecht verwalteten – passiert gar nichts.

Alle paar Meter eine neue Überraschung. Mal rutscht man auf vereistem Schnee, mal auf matschigem Matsch, mal stolpert man über einen Schneehaufen, den jemand achtlos auf den Weg geschoben hat.

Wie soll sich da jemand mit Gehbehinderung, ältere Menschen, Eltern mit Kinderwagen oder einfach nur jemand mit vollen Einkaufstaschen sicher fortbewegen? Mein Frau ist bereits gestürzt, eine leicht gehbehinderte Nachbarin fährt inzwischen mit einem Taxi zum ein paar hundert Meter entfernten Aldi.

Ein Vorschlag: Zentrale Gehwegreinigung durch die Stadt

Warum übernimmt die Stadt Görlitz die Räumung und Streuung der Gehwege nicht einfach selbst – wie sie es bereits bei den Straßen tut? Eine einheitliche, professionelle Lösung wäre deutlich sinnvoller als das aktuelle Stückwerk.

Wichtig: Das darf nicht ideologisch verbogen werden. In Berlin wurde das Streuen mit Salz aus Umweltgründen weitgehend verboten – mit dem Ergebnis, dass deutlich mehr Menschen auf glatten Wegen stürzten und sich verletzten. Praktikabilität und Sicherheit müssen Vorrang haben vor dogmatischen Vorgaben.

Görlitz könnte hier einen vernünftigen, bürgerfreundlichen Mittelweg gehen: einheitliche Winterpflege auf den Gehwegen, ohne ideologische Experimente.

Was meinen Sie? Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich freue mich über Kommentare.