Zeichen der Zeit – Eine Ausstellung im Schlesischen Museum zu Görlitz

Im Schlesischen Museum zu Görlitz hat am 30. Januar 2026 die Ausstellung „Zeichen der Zeit. Deutsche Inschriften in Schlesien“ eröffnet. Sie läuft bis zum 13. September 2026 und präsentiert großformatige Fotografien von Thomas Voßbeck, die zwischen 2018 und 2025 entstanden sind. Ergänzt werden diese durch Texte des oberschlesischen Regionalforschers Dawid Smolorz, der die Schau auch kuratiert hat. Es handelt sich um eine deutsch-polnische Kooperation, die stumme Zeugen der deutschen Vergangenheit Schlesiens in den Mittelpunkt stellt: verblasste Schriftzüge an Häusern, Scheunen, Kirchen und Grabsteinen, die oft unter Putz verborgen oder übermalt wurden und nun bei Renovierungen wieder ans Licht kommen.

Das Plakat zur Ausstellung zeigt beispielhaft ein ländliches Haus, dessen Dachziegel die Worte „GOTT MIT UNS“ bilden – ein motivisches Symbol für die vermeintliche Versöhnung durch Erinnerung.

Weitere Aufnahmen enthüllen Inschriften wie „GLÜCK AUF“ an alten Industriebauten oder verblichene Namen an Fassaden – Relikte einer Zeit, als Schlesien deutsch geprägt war.

Die Ausstellung will diese Spuren als Teil eines gemeinsamen Erbes darstellen und den Dialog zwischen Deutschen und Polen fördern. Ein begleitender Katalog unterstreicht diesen Anspruch.

Verhöhnung im Bild: Deutsche Spuren in polnischer Hand

Doch genau hier setzt die Kritik ein. Was auf den ersten Blick wie ein Akt der Versöhnung und des kulturellen Gedächtnisses wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als tiefe Verhöhnung der Opfer jener Jahre. Diese Inschriften sind keine harmlosen Überbleibsel einer vergangenen Epoche – sie sind die letzten Zeugen eines gewaltsamen Raubs. Ab Januar 1945 begann die systematische Vertreibung der deutschen Bevölkerung Schlesiens: Zunächst „wilde Vertreibungen“ durch polnische Milizen und sowjetische Truppen – begleitet von Plünderungen, Massenvergewaltigungen, willkürlichen Erschießungen und Todesmärschen in eisiger Kälte. Millionen Menschen wurden mit nur einem Handgepäck vertrieben, viele starben bereits auf der Flucht an Hunger, Erschöpfung oder Gewalt.

Lagerhaltung

Tausende wurden in Internierungslagern kaserniert, die oft auf den Geländen ehemaliger NS-Lager errichtet wurden. In Łambinowice (Lamsdorf) starben schätzungsweise 6.000 bis 8.000 Deutsche an Typhus-Epidemien, Unterernährung und Misshandlungen; in Zgoda (Świętochłowice), geleitet von Salomon Morel, kamen über 1.800 Insassen durch Prügel, Hunger und Seuchen ums Leben. Ähnliche Zustände herrschten in Jaworzno, Gliwice und anderen Lagern: Zwangsarbeit bis zum Umfallen, Überbelegung, systematische Demütigung. Diese Lager dienten nicht der Bestrafung von Kriegsverbrechern, sondern der kollektiven Brechung einer gesamten Bevölkerung. Ihr Eigentum – Höfe, Häuser, Betriebe – wurde entschädigungslos enteignet und systematisch jede Spur deutschen Lebens getilgt: Ortsnamen geändert, Denkmäler zerstört, Inschriften übermalt oder entfernt. Der polnische Staat hat diese Gebiete nicht geerbt, sondern erobert und bereinigt.

Museale Krümel statt Restitution

Nun, achtzig Jahre später, werden die wenigen verbliebenen Krümel – ein verblasster Schriftzug hier, ein freigelegter Spruch dort – museal ausgestellt und als „gemeinsames Erbe“ gefeiert. Das ist keine Aufarbeitung des Unrechts, sondern seine Schönfärberei. Der Diebstahl bleibt ungesühnt: Kein Hof wurde zurückgegeben, kein Hektar Land restituiert, keine Entschädigung geleistet. Stattdessen erhalten die Nachkommen der Vertriebenen sentimentale Fotografien und die Aufforderung, sich an der „Versöhnung“ zu erfreuen, während der polnische Staat weiterhin auf gestohlenem Eigentum thront.

Diese Ausstellung kaschiert den Kern des Geschehens: Die Westverschiebung Polens war eine ethnische Säuberung, gerechtfertigt durch Siegerrecht und alliierte Dekrete, doch in Wahrheit ein Akt staatlicher Aggression gegen Privateigentum und individuelle Rechte. Die präsentierten Inschriften erinnern nicht an ein friedliches Miteinander, sondern an die brutale Unterbrechung eines jahrhundertelangen Lebens. Sie als Brücke zur Verständigung zu instrumentalisieren, bedeutet, das Leid der Vertriebenen zu verharmlosen und das Unrecht zu zementieren.

Wer diese Schau besucht, mag ästhetisch berührt sein – doch ethisch bleibt sie ein Dokument der Verdrängung. Wahre Versöhnung würde Restitution heißen, nicht museale Krümel.